Ich war früh wach und wollte direkt zur Etappe nach Birmingham aufbrechen. Das Frühstück ließ ich ausfallen, denn es hätte erst ab 8 Uhr gegeben. Bereits kurz vor 7 Uhr saß ich im Sattel. Eine ideale Zeit, um eine Großstadt wie London zu verlassen.
Kaum hatte ich die Stadt hinter mir gelassen, führte die Strecke fast ausschließlich über Land und durch kleine Dörfer bis nach Birmingham. Die Atmosphäre war angenehm, allerdings fehlte meist jede Form von Radinfrastruktur. Häufig bestand die Straße nur aus einer schmalen Fahrspur mit vereinzelten Ausweichbuchten, immerhin war aber der Verkehr gering. Zudem war die gesamte Etappe ausgesprochen hügelig. Selten zuvor bin ich so oft bergauf und bergab gefahren und habe dabei so viele Höhenmeter gesammelt.
Unterwegs legte ich einen kurzen Stopp bei Vitsœ in Leamington Spa ein. Das Unternehmen wurde 1959 vom dänischen Möbelhändler Niels Wiese Vitsœ und dem deutschen Designer Otto Zapf gegründet, um die minimalistischen Entwürfe des Braun-Designers Dieter Rams zu verwirklichen. Seine Möbel prägen bis heute meine Wohnung und bereichern meinen Alltag.
Ich mag die alten Kanäle und die schmalen Kähne. Sie werten die Landschaft oft auf und verleihen ihr zusammen mit den historischen Brücken, Backsteinhäusern und alten Anlegern eine besondere Idylle.
Danach begann der Endspurt nach Birmingham. Auf einer mehrtägigen Radtour entwickelt sich normalerweise von Tag zu Tag ein besonderer Rhythmus. Das stetige Hinarbeiten auf das Ziel wird dabei zu einem wichtigen Teil der Motivation. Genau dieser Spirit ließ sich nach der Unterbrechung der Tour nicht mehr vollständig aufbauen. Dennoch hat sich die Fortsetzung gelohnt. Ich konnte viele neue Eindrücke sammeln und zugleich feststellen, dass England auf den rund 360 Kilometern meiner Strecke beim Thema Radinfrastruktur noch einiges aufzuholen hat.
Nach Mailand, Budapest und Krakau habe ich nun auch Birmingham mit dem Fahrrad erreicht. Für das nächste Jahr stehen Lyon und Prag zur Auswahl.



































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